{"id":544,"date":"2021-11-08T14:06:16","date_gmt":"2021-11-08T14:06:16","guid":{"rendered":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/?p=544"},"modified":"2021-11-08T14:24:08","modified_gmt":"2021-11-08T14:24:08","slug":"st-martin-in-schluesselfeld","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/?p=544","title":{"rendered":"St. Martin in Schl\u00fcsselfeld"},"content":{"rendered":"<p>St. Martin ist ein Tag, an dem vielerorts Martinsumz\u00fcge durchgef\u00fchrt werden. Das hat Tradition.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten Eltern werden sich noch an die Martinsumz\u00fcge ihrer eigenen Kindheit erinnern. Wie sch\u00f6n war es doch mit den Laternen durch die dunkle Nacht zu laufen. Oft gab es zur Belohnung f\u00fcr den langen Spaziergang eine Martinsbreze, oder der Heilige Martin selbst kam mit seinem Pferd angeritten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das alles soll nat\u00fcrlich auch den eigenen Kindern erlebbar gemacht werden. Leider habe ich nicht in Erfahrung gebracht, ob in diesem Coronajahr Martinsumz\u00fcge in Schl\u00fcsselfeld stattfinden werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><strong>St. Martin hat uns immer noch was zu sagen<\/strong><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch selbst wenn nicht, so ist St. Martin nach wie vor ein Tag, an dem diesem besonderen Menschen gedacht werden soll, der einst den Bettler mit seinem Mantel vorm Erfrieren gerettet hat. Diese Geschichte ber\u00fchrt uns immer wieder in unserer eigenen Seele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deshalb erz\u00e4hlen wir nach wie vor jedes Jahr vom Heiligen Martin. Die Geschichte bleibt wach. Falls Sie f\u00fcr St. Martin noch eine Erz\u00e4hlung f\u00fcr Ihre Kinder ben\u00f6tigen, habe ich hier eine Geschichte aufgeschrieben. Sie k\u00f6nnen Sie Ihren Kindern vorlesen und danach mit ihnen durch die Stra\u00dfen ziehen, wo sie mit ihren Laternen die Innenstadt beleuchten. Auch ein privater St. Martins-Umzug macht allen Beteiligten gro\u00dfen Spa\u00df.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viel Vergn\u00fcgen mit dieser Erz\u00e4hlung:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 style=\"text-align: left;\"><strong>Das Pferd erz\u00e4hlt die Geschichte von St. Martin &#8211; von Ingrid Neufeld<\/strong><\/h1>\n<p style=\"text-align: justify;\">Artax war ein alter Gaul, dem sogar das Aufstehen schwerfiel. Er lag nur noch im Stall in seiner Box und r\u00f6chelte. Nichts erinnerte mehr an den stolzen Hengst von fr\u00fcher. Das war er n\u00e4mlich gewesen: Ein stolzer Hengst. Doch nun war er alt und krank. In der Box daneben stand ein junges Fohlen. Es wusste nichts von Krankheit und wollte mit dem alten Gaul spielen. Darum stupste es den alten Gaul an. \u201eTrink halt wenigstens was. Damit es dir besser geht und du mit mir um die Wette rennen kannst.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Artax wusste, dass daraus nichts werden konnte. Trotzdem tat er ihm den Gefallen und schl\u00fcrfte ein wenig Wasser. Tats\u00e4chlich erholte er sich, zumindest so viel, dass er wieder aufstehen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eJetzt galoppieren wir \u00fcber die Wiese!\u201c, forderte das Fohlen ihn auf. Als es merkte, dass Artax nur leise den Kopf sch\u00fcttelte, quengelte es weiter: \u201eDann erz\u00e4hl mir halt was.\u201c Das Fohlen war wie alle kleinen Kinder. Wenn das gro\u00dfe starke Pferd keine Kraft f\u00fcr einen Wettlauf hatte, sollte es zumindest eine Geschichte erz\u00e4hlen. Vorher w\u00fcrde es keine Ruhe geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eMir f\u00e4llt nichts ein\u201c, wehrte Artax m\u00fcde ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch das Fohlen quengelte weiter. \u201eDann halt eine Geschichte aus deinem Leben.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Artax seufzte und kramte in seinen Erinnerungen. \u201eGut, es gibt tats\u00e4chlich eine Geschichte. Sie ist wichtig genug, dass du sie erf\u00e4hrst.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der alte Gaul legte sich wieder ins Heu. Das kleine Fohlen kuschelte sich zu ihm.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eEs ist schon lange her. Damals war ich kaum \u00e4lter als du heute. Na ja, vielleicht ein bisschen. Auf jeden Fall hie\u00df mein damaliger Besitzer Martin und war Soldat. Auch er war noch sehr jung, nicht einmal achtzehn Jahre alt. Also noch nicht einmal erwachsen. Schon als Kind wollte er Soldat werden. Er tr\u00e4umte davon zu k\u00e4mpfen. Und das wurde dann auch sein Beruf. Er trat in die Armee ein. Dort sind viele Soldaten, die alle f\u00fcrs K\u00e4mpfen ausgebildet werden. Martin mochte seinen Beruf. Denn er war wild und k\u00e4mpfte gerne. Aber er mochte auch mich. Er verbrachte jede freie Minute mit mir. Es war ihm wichtig, dass es mir gut ging. Deshalb brachte er mir nur das beste Futter. Wir hatten viel Spa\u00df miteinander, denn wir jagten gerne \u00fcber Wiesen und Felder. Nicht nur in den milden Jahreszeiten, auch im Winter. Und an einen Winter erinnere ich mich ganz besonders. Trotz der hereinbrechenden Dunkelheit, kam er noch mal zu mir, sattelte mich und ritt wieder mit mir aus. Mir war das egal. Denn ich konnte gar nicht genug davon kriegen, mit ihm gemeinsam \u00fcber die Felder zu galoppieren. Der Schnee knirschte unter meinen Hufen und im fahlen Licht des Vollmonds glitzerten Eiszapfen. Die Nacht versprach, kalt zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kaum waren wir aus der Stadt, riss Martin scharf am Z\u00fcgel. Nat\u00fcrlich stoppte ich sofort. Als Pferd eines Soldaten hatte ich auf jede Bewegung blind zu reagieren. Es war auch im letzten Moment. Denn direkt vor uns lag jemand im Schnee. Weil ich sofort stand, ist die Gestalt nicht unter meine Hufe geraten. Das h\u00e4tte \u00fcbel f\u00fcr diesen Menschen ausgehen k\u00f6nnen. Manchen seiner Soldatenkollegen w\u00e4re das egal gewesen, aber so war Martin nicht. F\u00fcr ihn z\u00e4hlte jeder Mensch. Ohne Ansehen der Person. Auch wenn es sich um einen Bettler handelte. So wie bei der Gestalt vor uns im Schnee. Denn das war offensichtlich. Jeder andere s\u00e4\u00dfe um diese Zeit bei dieser K\u00e4lte hinterm Ofen und ganz bestimmt nicht im Schnee. Also musste es ein Bettler sein. Das war sogar mir klar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Gestalt begann zu wimmern. Der Bettler hatte Martin als Soldaten erkannt. Jetzt bibberte er vor Angst. Was mich nicht wunderte. Soldaten waren f\u00fcr ihre Unberechenbarkeit bekannt. Was wollte Martin von ihm?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Martin sprang ab, ging auf den Mann zu und fragte ihn: \u201eHast du keinen Platz zum Schlafen?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bettler zitterte. Keine Ahnung ob vor Angst, oder vor K\u00e4lte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNein\u201c, stotterte der Mann endlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Martin wusste, dass der Mann ohne gesch\u00fctzten Schlafplatz in seinen d\u00fcnnen Kleidern die kalte Nacht nicht \u00fcberleben w\u00fcrde. Deshalb \u00fcberlegte er blitzschnell was er tun konnte. Viel war es nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch dann zog er sich seinen Soldatenmantel von den Schultern, nahm sein Schwert und teilte den Mantel mitten entzwei. Die eine H\u00e4lfte reichte er dem Bettler, die andere wickelte er um sich selbst. Das war unvorstellbar, denn der Mantel, den Martin in der Mitte teilte, geh\u00f6rte dem Milit\u00e4r. Also dem Staat. Nicht ihm pers\u00f6nlich. Denn der Mantel war Teil seiner Ausr\u00fcstung. Trotzdem dachte Martin nur an den Mann, der vor ihm sa\u00df und fror. Er wollte helfen und er tat es. Da war es ihm egal, dass er wegen des Mantels ziemlichen \u00c4rger bekommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eNimm und wickle dich ein. So hast du es wenigstens ein wenig warm.\u201c, sagte Martin zu dem Mann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bettler wusste gar nicht, wie ihm geschah. Aber nat\u00fcrlich nahm er den Mantel und wickelte sich ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Darauf stieg Martin wieder auf und ritt nach Hause. Die Begegnung mit dem Bettler hatte ihn sichtlich aufgew\u00fchlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am n\u00e4chsten Tag kam er in den Stall und fl\u00fcsterte vor sich hin: \u201eIch habe von Jesus getr\u00e4umt!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Erlebnis hatte ihn ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider dauerte es nicht lange und er verlie\u00df das Heer, denn er wollte kein Soldat mehr sein. Damals wurde ich von ihm getrennt.\u201c<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bedauernd schaute Artax das Fohlen an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eHast du nie mehr von ihm geh\u00f6rt\u201c, wollte das kleine Fohlen wissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eDoch schon. Wei\u00dft du Martin ist sp\u00e4ter ein ber\u00fchmter Mann geworden. Das hat sich bis zu mir herumgesprochen. Und das kam so: Der Bettler hatte anderen Bettlern davon erz\u00e4hlt, dass Martin ihn vor dem Erfrieren gerettet hatte und die wiederum haben es weitererz\u00e4hlt. So wurde Martin \u00fcberall bekannt und die Menschen bedr\u00e4ngten ihn und wollten ihn zum Bischof machen. Doch Martin war ein bescheidener Mensch. Er wollte das gar nicht. Er hielt sich selbst f\u00fcr dieses Amt gar nicht geeignet. Als die Menschen wiederkamen, um ihn zu fragen, versteckte er sich vor ihnen im G\u00e4nsestall. Aber G\u00e4nse sind einfach dumm. Ich mochte sie noch nie. Sie kapierten nicht, dass Martin sich verstecken wollte. Die G\u00e4nse schnatterten so laut, dass sie seinen Aufenthaltsort damit verrieten. So wurde Martin am Ende doch noch Bischof. Und alle Leute erz\u00e4hlten, er w\u00e4re ein wunderbarer Bischof geworden.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Ende dieser Geschichte f\u00fchlte sich Artax so gut wie schon lange nicht mehr an seinen alten Tagen und das Fohlen bewunderte ihn, weil er der Gef\u00e4hrte des ber\u00fchmten Bischofs Martin gewesen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte Sie auch interessieren:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/?p=430\">Laternenaktion der Schl\u00fcsselfelder B\u00fccherei zu St. Martin<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>St. Martin ist ein Tag, an dem vielerorts Martinsumz\u00fcge durchgef\u00fchrt werden. Das hat Tradition. Die meisten Eltern werden sich noch an die Martinsumz\u00fcge ihrer eigenen Kindheit erinnern. Wie sch\u00f6n war es doch mit den Laternen durch die dunkle Nacht zu laufen. Oft gab es zur Belohnung f\u00fcr den langen Spaziergang eine Martinsbreze, oder der Heilige Martin selbst kam mit seinem Pferd angeritten. Das alles soll nat\u00fcrlich auch den eigenen Kindern erlebbar gemacht werden. Leider habe ich nicht in Erfahrung gebracht, ob in diesem Coronajahr Martinsumz\u00fcge in Schl\u00fcsselfeld stattfinden werden. &nbsp; St. Martin hat uns immer noch was zu sagen Doch selbst wenn nicht, so ist St. Martin nach wie vor ein Tag, an dem diesem besonderen Menschen gedacht werden soll, der einst den Bettler mit seinem Mantel vorm Erfrieren gerettet hat. Diese Geschichte ber\u00fchrt uns immer wieder in unserer eigenen Seele. Deshalb erz\u00e4hlen wir nach wie vor jedes Jahr vom Heiligen Martin. Die Geschichte bleibt wach. Falls Sie f\u00fcr St. Martin noch eine Erz\u00e4hlung f\u00fcr Ihre Kinder ben\u00f6tigen, habe ich hier eine Geschichte aufgeschrieben. Sie k\u00f6nnen Sie Ihren Kindern vorlesen und danach mit ihnen durch die Stra\u00dfen ziehen, wo sie mit ihren Laternen die Innenstadt beleuchten. Auch ein privater St. Martins-Umzug macht allen Beteiligten gro\u00dfen Spa\u00df. Viel Vergn\u00fcgen mit dieser Erz\u00e4hlung: &nbsp; Das Pferd erz\u00e4hlt die Geschichte von St. Martin &#8211; von Ingrid Neufeld Artax war ein alter Gaul, dem sogar das Aufstehen schwerfiel. Er lag nur noch im Stall in seiner Box und r\u00f6chelte. Nichts erinnerte mehr an den stolzen Hengst von fr\u00fcher. Das war er n\u00e4mlich gewesen: Ein stolzer Hengst. Doch nun war er alt und krank. In der Box daneben stand ein junges Fohlen. Es wusste nichts von Krankheit und wollte mit dem alten Gaul spielen. Darum stupste es den alten Gaul an. \u201eTrink halt wenigstens was. Damit es dir besser geht und du mit mir um die Wette rennen kannst.\u201c Artax wusste, dass daraus nichts werden konnte. Trotzdem tat er ihm den Gefallen und schl\u00fcrfte ein wenig Wasser. Tats\u00e4chlich erholte er sich, zumindest so viel, dass er wieder aufstehen konnte. \u201eJetzt galoppieren wir \u00fcber die Wiese!\u201c, forderte das Fohlen ihn auf. Als es merkte, dass Artax nur leise den Kopf sch\u00fcttelte, quengelte es weiter: \u201eDann erz\u00e4hl mir halt was.\u201c Das Fohlen war wie alle kleinen Kinder. Wenn das gro\u00dfe starke Pferd keine Kraft f\u00fcr einen Wettlauf hatte, sollte es zumindest eine Geschichte erz\u00e4hlen. Vorher w\u00fcrde es keine Ruhe geben. \u201eMir f\u00e4llt nichts ein\u201c, wehrte Artax m\u00fcde ab. Doch das Fohlen quengelte weiter. \u201eDann halt eine Geschichte aus deinem Leben.\u201c Artax seufzte und kramte in seinen Erinnerungen. \u201eGut, es gibt tats\u00e4chlich eine Geschichte. Sie ist wichtig genug, dass du sie erf\u00e4hrst.\u201c Der alte Gaul legte sich wieder ins Heu. Das kleine Fohlen kuschelte sich zu ihm. \u201eEs ist schon lange her. Damals war ich kaum \u00e4lter als du heute. Na ja, vielleicht ein bisschen. Auf jeden Fall hie\u00df mein damaliger Besitzer Martin und war Soldat. Auch er war noch sehr jung, nicht einmal achtzehn Jahre alt. Also noch nicht einmal erwachsen. Schon als Kind wollte er Soldat werden. Er tr\u00e4umte davon zu k\u00e4mpfen. Und das wurde dann auch sein Beruf. Er trat in die Armee ein. Dort sind viele Soldaten, die alle f\u00fcrs K\u00e4mpfen ausgebildet werden. Martin mochte seinen Beruf. Denn er war wild und k\u00e4mpfte gerne. Aber er mochte auch mich. Er verbrachte jede freie Minute mit mir. Es war ihm wichtig, dass es mir gut ging. Deshalb brachte er mir nur das beste Futter. Wir hatten viel Spa\u00df miteinander, denn wir jagten gerne \u00fcber Wiesen und Felder. Nicht nur in den milden Jahreszeiten, auch im Winter. Und an einen Winter erinnere ich mich ganz besonders. Trotz der hereinbrechenden Dunkelheit, kam er noch mal zu mir, sattelte mich und ritt wieder mit mir aus. Mir war das egal. Denn ich konnte gar nicht genug davon kriegen, mit ihm gemeinsam \u00fcber die Felder zu galoppieren. Der Schnee knirschte unter meinen Hufen und im fahlen Licht des Vollmonds glitzerten Eiszapfen. Die Nacht versprach, kalt zu werden. Kaum waren wir aus der Stadt, riss Martin scharf am Z\u00fcgel. Nat\u00fcrlich stoppte ich sofort. Als Pferd eines Soldaten hatte ich auf jede Bewegung blind zu reagieren. Es war auch im letzten Moment. Denn direkt vor uns lag jemand im Schnee. Weil ich sofort stand, ist die Gestalt nicht unter meine Hufe geraten. Das h\u00e4tte \u00fcbel f\u00fcr diesen Menschen ausgehen k\u00f6nnen. Manchen seiner Soldatenkollegen w\u00e4re das egal gewesen, aber so war Martin nicht. F\u00fcr ihn z\u00e4hlte jeder Mensch. Ohne Ansehen der Person. Auch wenn es sich um einen Bettler handelte. So wie bei der Gestalt vor uns im Schnee. Denn das war offensichtlich. Jeder andere s\u00e4\u00dfe um diese Zeit bei dieser K\u00e4lte hinterm Ofen und ganz bestimmt nicht im Schnee. Also musste es ein Bettler sein. Das war sogar mir klar. Die Gestalt begann zu wimmern. Der Bettler hatte Martin als Soldaten erkannt. Jetzt bibberte er vor Angst. Was mich nicht wunderte. Soldaten waren f\u00fcr ihre Unberechenbarkeit bekannt. Was wollte Martin von ihm? Martin sprang ab, ging auf den Mann zu und fragte ihn: \u201eHast du keinen Platz zum Schlafen?\u201c Der Bettler zitterte. Keine Ahnung ob vor Angst, oder vor K\u00e4lte. \u201eNein\u201c, stotterte der Mann endlich. Martin wusste, dass der Mann ohne gesch\u00fctzten Schlafplatz in seinen d\u00fcnnen Kleidern die kalte Nacht nicht \u00fcberleben w\u00fcrde. Deshalb \u00fcberlegte er blitzschnell was er tun konnte. Viel war es nicht. Doch dann zog er sich seinen Soldatenmantel von den Schultern, nahm sein Schwert und teilte den Mantel mitten entzwei. Die eine H\u00e4lfte reichte er dem Bettler, die andere wickelte er um sich selbst. Das war unvorstellbar, denn der Mantel, den Martin in der Mitte teilte, geh\u00f6rte dem Milit\u00e4r. Also dem Staat. Nicht ihm pers\u00f6nlich. Denn der Mantel war Teil seiner Ausr\u00fcstung. Trotzdem dachte Martin nur an den Mann, der vor ihm sa\u00df und fror. Er wollte helfen und er tat es. Da war es ihm egal, dass er wegen des Mantels ziemlichen \u00c4rger bekommen w\u00fcrde. \u201eNimm und wickle dich ein. So hast du es wenigstens ein wenig warm.\u201c, sagte Martin zu dem Mann. Der Bettler wusste gar nicht, wie ihm geschah. Aber nat\u00fcrlich nahm er den Mantel und wickelte sich ein. Darauf stieg Martin wieder auf und ritt nach Hause. Die Begegnung mit dem Bettler hatte ihn sichtlich aufgew\u00fchlt. Am n\u00e4chsten Tag kam er in den Stall und fl\u00fcsterte vor sich hin: \u201eIch habe von Jesus getr\u00e4umt!\u201c Das Erlebnis hatte ihn ver\u00e4ndert. 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Sie kapierten nicht, dass Martin sich verstecken wollte. Die G\u00e4nse schnatterten so laut, dass sie seinen Aufenthaltsort damit verrieten. So wurde Martin am Ende doch noch Bischof. Und alle Leute erz\u00e4hlten, er w\u00e4re ein wunderbarer Bischof geworden.\u201c Am Ende dieser Geschichte f\u00fchlte sich Artax so gut wie schon lange nicht mehr an seinen alten Tagen und das Fohlen bewunderte ihn, weil er der Gef\u00e4hrte des ber\u00fchmten Bischofs Martin gewesen ist. &nbsp; Das k\u00f6nnte Sie auch interessieren: Laternenaktion der Schl\u00fcsselfelder B\u00fccherei zu St. Martin<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":545,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,113],"tags":[138,137,116,118],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/544"}],"collection":[{"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=544"}],"version-history":[{"count":10,"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/544\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":557,"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/544\/revisions\/557"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/545"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=544"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=544"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=544"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}