{"id":614,"date":"2021-12-23T15:39:43","date_gmt":"2021-12-23T15:39:43","guid":{"rendered":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/?p=614"},"modified":"2021-12-23T16:14:37","modified_gmt":"2021-12-23T16:14:37","slug":"ein-esel-erzaehlt-die-weihnachtsgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/?p=614","title":{"rendered":"Ein Esel erz\u00e4hlt die Weihnachtsgeschichte"},"content":{"rendered":"\n<p>Was wohl der Esel zu erz\u00e4hlen gehabt h\u00e4tte, damals von der Geburt Jesus.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer wei\u00df? Weil das sicherlich spannend gewesen w\u00e4re, habe ich mir dazu ein paar Gedanken gemacht und die in eine Geschichte verpackt. Eine Geschichte, die vor allem Kindern Spa\u00df macht und die sich gut zum Vorlesen eignet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Esel-und-Ochs-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-616\" srcset=\"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Esel-und-Ochs-1-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Esel-und-Ochs-1-300x225.jpg 300w, http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Esel-und-Ochs-1-768x576.jpg 768w, http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Esel-und-Ochs-1-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Esel-und-Ochs-1-2048x1536.jpg 2048w, http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Esel-und-Ochs-1-1140x855.jpg 1140w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h1><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Prolog<\/span><\/h1>\n\n\n\n<p>Esel werden von den Menschen seit vielen tausend Jahren als Nutztiere eingesetzt. Die Tiere halfen n\u00e4mlich M\u00e4nnern und Frauen, wenn sie schwere Gegenst\u00e4nde transportieren mussten. Au\u00dferdem lie\u00dfen sich die Menschen auch selber von einem Ort zu einem anderen von ihrem Esel tragen. Fr\u00fcher gab es keine Lastwagen, Traktoren, oder Autos.<\/p>\n\n\n\n<p>Es waren die Esel, die mit Gegenst\u00e4nden, oder Menschen beladen wurden. Heute benutzt man Autos daf\u00fcr. Die Esel schleppten geduldig auch schwere Lasten \u00fcber holprige und steinige Stra\u00dfen und unsichere, schmale Wege.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Esel war das Familienauto f\u00fcr viele Menschen vergangener Jahrhunderte. Statt einem VW Golf stand damals ein Esel, &#8211; nat\u00fcrlich nicht in der Garage, -sondern in einem Stall.<\/p>\n\n\n\n<p>So ist es kein Wunder, dass auch in der Weihnachtsgeschichte ein Esel vorkommt. Nat\u00fcrlich in einer Nebenrolle, so wie es einem Transportmittel eben zukommt. Trotzdem ist ein Esel ein Lebewesen. Auch er hat Gef\u00fchle und vielleicht sogar mehr Verstand als wir Menschen ahnen. Deshalb soll hier mal der Esel zu Wort kommen und erz\u00e4hlen, wie das damals war in Bethlehem und was da eigentlich wirklich passiert ist:<\/p>\n\n\n\n<h1><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Esel sind ganz besondere Tiere<\/span><\/h1>\n\n\n\n<p>Gestatten, mein Name ist Asinia und ich bin eine Eselsfrau. Damit niemand Angst vor mir hat, will ich mich ein wenig beschreiben: Mein Fell ist weich und grau. Ich sehe aus wie ein gro\u00dfes Kuscheltier. Ums Maul herum trage ich einen wei\u00dfen Rand. Manche ahnungslosen Menschen necken mich damit. Sie nennen diese Besonderheit \u201eMehlmaul\u201c, weil mein Maul aussieht, als w\u00e4re ich mit dem Kopf in eine T\u00fcte mit Mehl geraten. Das stimmt nat\u00fcrlich nicht. Denn ich bin in keine Mehlt\u00fcte gefallen. Ich habe von Natur aus so einen sch\u00f6nen wei\u00dfen Streifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem haben wir Esel ganz lange Ohren. Ich bin richtig stolz darauf.&nbsp; So wundersch\u00f6ne lange Ohren haben Pferde nicht. Eigentlich kann man uns gar nicht verwechseln. Trotzdem passiert das \u00f6fter. Doch ein Esel ist kein Pferd. Auch wenn wir im weitesten Sinne zur Familie der Pferde geh\u00f6ren. Mit meinen langen Ohren kann ich sehr gut h\u00f6ren. Auch leise Ger\u00e4usche. Ich kann meine H\u00f6rwerkzeuge auch in unterschiedliche Richtungen drehen. Wenn ich sie nach vorne lege, zeige ich damit meinem Menschen, dass ich ihn mag. Ohren sind was Wunderbares und ich finde sie sehr sch\u00f6n. Meine Ohren sind flauschig. Ich mag es, wenn mich mein Mensch dort streichelt.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;In der Regel bin ich sehr gen\u00fcgsam, denn ich brauche nur wenig Essen. Wenn mich die Menschen als Lasttier nutzen, kann ich trotz der schweren Lasten lange wandern. Unterwegs bin ich schon zufrieden, wenn ich ein paar Disteln und hartes Gras zum Fressen finde. Altes Brot und Karotten sind wahre Leckerbissen. Ich bin auch sehr stark. Deshalb kann ich ganz leicht schweres Gep\u00e4ck tragen. Und wenn der Weg besonders steil und schmal wird, dann renne ich auch nicht kopflos davon. Denn das tun die Pferde gerne. Sondern ich bleibe einfach mal stehen und \u00fcberlege mir gut, welchen Weg ich nehmen will. Manche Menschen verstehen das nicht. Sie schlagen dann auf mich ein, weil sie glauben, dass sie es besser wissen als ich, welcher Weg der Richtige ist. Sie halten mich f\u00fcr st\u00f6rrisch. Dann schimpfen sie: \u201eDu bl\u00f6der und dummer Esel!\u201c&nbsp; Doch in Wahrheit bin ich einfach nur klug. Denn nur wer vorsichtig ist, kann die gef\u00e4hrlichen Wege im Gebirge zur\u00fccklegen, ohne abzust\u00fcrzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb ich die Ehre hatte, Jesus auf meinem R\u00fccken zu tragen. Weil Gott alle Menschen und Tiere erschaffen hat, wei\u00df er, dass ich gut aufpassen kann. Darum freue ich mich, dass ich als kleiner Esel auf Jesus aufpassen durfte. Denn, ich, ein kleiner unbedeutender Esel durfte ihn transportieren \u2013 und das schon bevor er \u00fcberhaupt geboren wurde. Maria trug ihn noch in ihrem Bauch. Dort war er warm eingepackt und gut gesch\u00fctzt. Doch wenn sie verreisen wollte, w\u00e4hlte sie einen Esel, als Pack- und Tragtier.&nbsp; Wie es dazu kam, dass Maria verreiste, obwohl sie doch schwanger war und was dann geschah, davon m\u00f6chte ich jetzt erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<h1><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Ein Esel packt aus und erz\u00e4hlt die Weihnachtsgeschichte<\/span><\/h1>\n\n\n\n<p>Den Kaiser Augustus kannten damals alle. Jedenfalls dem Namen nach. Einen Fernseher hatten die Menschen ja nicht. Zeitungen gab es auch keine und erst recht keine Smartphones, oder soziale Netzwerke. Obwohl es das alles nicht gab, verbreiteten sich Neuigkeiten meist sehr schnell. Auch das, was der Kaiser Augustus machte, erfuhren die Menschen ziemlich rasch. Der Kaiser war so bekannt, dass sogar wir Esel immer wieder von ihm h\u00f6rten. Denn die Menschen schimpften viel \u00fcber ihn. Augustus war ein gro\u00dfer Kaiser und lebte gar nicht in Israel, sondern weit weg von uns in Rom. Dort herrschte er \u00fcber die R\u00f6mer, aber auch \u00fcber Israel \u2013 und das war der Grund, weshalb sogar ich immer wieder von ihm h\u00f6rte. Obwohl ich eigentlich gar nicht so recht wusste, was ein Kaiser \u00fcberhaupt sein sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich konnte ja auch nicht alles wissen. Schlie\u00dflich hatte ich genug mit meinem Menschen zu tun. Deshalb k\u00fcmmerte es mich auch nicht wirklich. Denn ich war vollauf damit besch\u00e4ftigt, mich meiner Eselshaut zu wehren. Da konnte ich nicht \u00fcber einen Kaiser nachdenken, der gar nichts mit uns zu tun hatte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Oft genug passierte es, dass mein Mensch so w\u00fctend war, dass er auf mich eindrosch. Doch eigentlich hatte er gar keinen Grund, zornig auf mich zu sein. Manchmal glauben die Menschen, alles m\u00fcsste nach ihrem Kopf gehen, oder sie denken ein Esel w\u00e4re ein Pferd. Aber ich bin nun mal ein Esel und kein kleines Pferd mit einem viel zu gro\u00dfen Kopf und zu lang geratenen Ohren. Doch in diesem Fall hatte ich gar nichts getan. Auch wenn ich manchmal nach der Meinung der Menschen ein wenig st\u00f6rrisch war, doch an jenem Tag war ich v\u00f6llig unschuldig. Nur weil der Kaiser Augustus im weit entfernten Rom einen Beschluss erlie\u00df, den keiner verstand, war mein Mensch sauer und schlug mich. Er war sogar so sauer, dass er mich an den n\u00e4chstbesten verscherbelte. Weil er Geld brauchte. Das behauptete er jedenfalls. Nachdem er mich los hatte, machte er sich schnell aus dem Staub mit den wenigen M\u00fcnzen, die er f\u00fcr mich bekam.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war nat\u00fcrlich nicht gefragt worden, ob mir das Recht war. Doch eigentlich spielte es sowieso keine Rolle. Ein Mensch war wie der andere \u2013 dachte ich zumindest in meinem Eselshirn. Ich nahm den Besitzerwechsel gleichm\u00fctig hin. Obwohl der neue Mensch zur Probe gleich mal eine Runde auf meinem R\u00fccken drehte. Mir sollte es recht sein. Hauptsache mein Mensch gab mir zu fressen und einen Platz zum Schlafen. Das tat er dann auch. Eigentlich war er sogar netter als mein fr\u00fcherer Mensch. Jedenfalls schlug er mich viel weniger und wenn, dann nur, wenn ich wirklich bockte. Na gut, ich versuchte mir das dann sogar ganz abzugew\u00f6hnen. Aber ich bin ja nur ein Esel und als Esel mache ich mir so meine eigenen Gedanken, auch dann, wenn das keiner von mir verlangt. Darum ist es schwierig, nicht zu bocken, wenn der Mensch anders will als ich.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Mein Besitzer hie\u00df Josef und hatte sogar eine Frau, die h\u00f6rte auf den Namen Maria und war ganz okay. Wenn sie mir Wasser gab und mein Fell striegelte, redete sie manchmal mit mir. Das hatte vorher noch keiner getan. Ich versuchte auch zu antworten, aber mehr als \u201eIiiiaaaaa\u201c, brachte ich nicht heraus. Ob sie das verstand, wei\u00df ich nicht. Denn manchmal redete sie einfach weiter und das hatte gar nichts mit dem zu tun, das ich ihr vorher gesagt hatte. Deshalb glaube ich, dass die Verst\u00e4ndigung mit einem Menschen einfach schwierig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch immerhin hatte mir Maria sogar einen Namen gegeben. Sie kam zu mir, b\u00fcrstete mein graues Fell und meinte: \u201eNa du sch\u00f6ne Eselsfrau. Du brauchst doch einen Namen. Wie m\u00f6chtest du denn hei\u00dfen?\u201c Ich schlug ihr \u201eIiiiaaa\u201c vor und Maria lachte nach Herzenslust. \u201eIch hab\u2019s\u201c strahlte sie mich an. \u201eWie w\u00e4r\u2019s mit Asinia?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das hatte ich doch gar nicht gesagt? Aber ich merkte schon: Maria hatte wieder mal nichts verstanden. Deshalb tat ich das, was ich am besten konnte: Ich nickte und sagte \u201eIiiiaaa\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit war die Namensgebung beschlossene Sache. Ich war stolz, einen Namen zu haben, denn mein fr\u00fcherer Mensch hatte mich nur mit \u201eEsel\u201c angesprochen, wenn \u00fcberhaupt. F\u00fcr den war ich so wichtig, wie der Stecken, mit dem er mich schlug. Also gar nicht.<\/p>\n\n\n\n<h1><span class=\"has-inline-color has-vivid-cyan-blue-color\">Es war einmal ein Kaiser\u2026<\/span><\/h1>\n\n\n\n<p>Maria und Josef waren da anders. Vielleicht lag es auch daran, dass Maria noch so herrlich jung war. Sie freute sich ihres Lebens und teilte mir das immer mit, wenn sie mich sah. Jedenfalls f\u00fchlte sich das Leben jetzt viel besser an als fr\u00fcher. Also war der Kaiser Augustus in Rom doch zu was gut. Denn ohne ihn w\u00e4re mein alter Mensch nicht so sauer geworden und er h\u00e4tte mich nicht in seiner Wut dem n\u00e4chstbesten verkauft. Doch bei Maria und Josef machte es mir gar nichts aus, dass ich Tag f\u00fcr Tag zur Feldarbeit eingesetzt wurde und dass ich zwischendurch immer die Maria auf meinem R\u00fccken irgendwohin tragen musste. Ich bockte auch fast gar nicht. Nur wenn sich die Maria wieder mal in den Kopf gesetzt hatte, die Abk\u00fcrzung nach Hause zu nehmen und deshalb einen besonders schmalen Weg reiten wollte, dann erlaubte ich mir schon, sie darauf aufmerksam zu machen und einfach stehen zu bleiben. Doch Maria hatte genauso einen Stursch\u00e4del wie ich selber. Sie trieb mich einfach an. Das ging dann eine Weile hin und her, bis sie mich endlich so weit hatte, dass ich weiterlief.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNa also\u201c, lobte mich dann Maria. Doch was hie\u00df dabei schon \u201eNa also\u201c! Wenn wir den Abhang hinuntergefallen w\u00e4ren, h\u00e4tte sie nicht mehr \u201ena also\u201c gerufen, dann w\u00e4r\u2019s aus und vorbei gewesen! Aber was reg ich mich auf. Ich bin ja doch nur ein armer Esel!<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages machte ein Ger\u00fccht die Runde: Kaiser Augustus h\u00e4tte einen Befehl ausgegeben, mit dem er die Menschen aufforderte in ihre Geburtsd\u00f6rfer zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eWozu?\u201c, wurde gefragt. \u201eNa damit der Augustus genau wei\u00df, wie viel Leute hier in Israel leben.\u201c, war die Antwort.<\/p>\n\n\n\n<p>Davon erfuhr auch mein Besitzer. Ein r\u00f6mischer Soldat sprengte auf seinem Pferd in unsere Stadt Nazareth und er schrie seine Botschaft in alle Gassen: \u201eBefehl von Kaiser Augustus: Alle Einwohner m\u00fcssen umgehend in ihre Heimatst\u00e4dte und sich dort in eine Liste eintragen lassen. Also macht euch gleich auf den Weg!\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch er hielt sich gar nicht auf, sondern ritt sofort weiter, musste er doch \u00fcberall seine Botschaft bekannt machen. Es war also gar kein Ger\u00fccht, sondern es verhielt sich wirklich so.<\/p>\n\n\n\n<p>Josef war Zimmermann von Beruf und er hatte soeben Holzbalken f\u00fcr ein neues Haus zurechtgeschlagen. Mitten in der Arbeit legte er die Axt beiseite und rannte schnell zu Maria. \u201eHast du schon geh\u00f6rt?\u201c, rief er ihr zu. Maria schleppte gerade einen Krug Wasser ins Haus. \u201eJa, der R\u00f6mer war ja nicht zu \u00fcberh\u00f6ren.\u201c, best\u00e4tigte sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Josef sprang ihr schnell zur Seite und griff nach dem Krug. \u201eGib her und schon dich ein wenig. Wir sollten baldm\u00f6glichst aufbrechen. Damit du nicht ausgerechnet unterwegs das Baby bekommst.\u201c Um sich in die Listen eintragen zu k\u00f6nnen, mussten sie nach Bethlehem, denn das war ihr Geburtsort.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch ausgerechnet jetzt war Maria schwanger und erwartete ein Baby. &nbsp;Gerne gab sie Josef den Krug. Sie wischte sich den Schwei\u00df von der Stirn und lie\u00df sich ersch\u00f6pft nieder.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eRuh du dich aus. Ich werde packen und morgen fr\u00fch brechen wir auf nach Bethlehem. Damit wir uns rasch in die Listen eintragen k\u00f6nnen.\u201c, meinte Josef, w\u00e4hrend er den Krug mit Wasser auf den Tisch stellte.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Maria sich ausruhte, packte Josef alles zusammen, was unterwegs dringend gebraucht wurde. Er schn\u00fcrte sein B\u00fcndel auf meinem R\u00fccken. Mir war klar, dass ich als Esel, die ganze Last schultern musste. Immerhin hatte Maria auf diese Weise noch einen weiblichen Beistand, denn ich, Asinia die Eselsfrau, begleitete ab dem folgenden Tag Maria auf ihrer anstrengenden Reise.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Eselin wusste ich sofort, dass so eine weite Reise nicht gerade zur Idealzeit auf Maria zukam. Eine Frau, die Mama wird sollte nicht so weit reisen m\u00fcssen. &nbsp;Schlie\u00dflich konnte jetzt bald das Baby kommen. Deshalb beschloss ich, gut auf Maria aufzupassen.<\/p>\n\n\n\n<h1><a><u>Der Beginn einer abenteuerlichen Reise<\/u><\/a><\/h1>\n\n\n\n<p>In dieser Nacht schlief ich nur wenig, denn ich freute mich auf die Reise. Au\u00dferdem dr\u00fcckte das B\u00fcndel mit dem ich ja schon bepackt war. Aber ich musste nicht lange warten. Schon sehr fr\u00fch kamen Maria und Josef in meinen Stall um mich zu holen. Josef f\u00fchrte mich hinaus und Maria schritt neben ihm her. Noch f\u00fchlten sich beide frisch genug um zu laufen. Auch Maria machte keine Anstalten, von mir getragen zu werden. Trotz ihrer Schwangerschaft f\u00fchlte sie sich fit und gesund.<\/p>\n\n\n\n<p>Besorgt meinte Josef: \u201eWillst du dich nicht doch ein wenig von unserem Esel tragen lassen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Maria lachte, ihre dunklen Augen blitzten und sie strich sich fr\u00f6hlich die schwarzen Locken aus der Stirn. \u201eIch bin zwar schwanger, aber doch nicht krank! Au\u00dferdem hat Asinia genug mit unserem Gep\u00e4ck zu schleppen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Da hatte sie allerdings Recht und ich konnte nur zustimmend nicken. \u201eIiiiaaa\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Maria f\u00fchlte sich stark. So ein paar Kilometer konnten ihr nichts anhaben. Sie war eine junge Frau mit einem gesunden Selbstvertrauen. Manchmal neckte sie den Josef ein wenig und versteckte sich unterwegs hinter einer Hecke. Oder sie tat, als ob sie sich den Fu\u00df vertreten h\u00e4tte. Wenn sich Josef dann voller Sorge \u00fcber sie beugte, sprang sie lachend wieder auf. Ich bleckte die Z\u00e4hne und lachte mit ihr mit, auch wenn das keiner merkte, weil das keinem meiner Menschen auffiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Maria genoss die Reise in vollen Z\u00fcgen und machte sich keine Gedanken \u00fcber die bevorstehende Geburt. Jedenfalls nicht an diesem ersten Tag. Abends fanden Maria und Josef schnell eine gastfreundliche Familie, bei der sie \u00fcbernachten konnten und machten sich am n\u00e4chsten Tag voller Zuversicht auf den weiteren Weg.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu bist ein braves Tier Asinia\u201c, lobte mich Maria, als ich am dritten Tag geduldig hinter ihr her zockelte. \u201eOhne dich m\u00fcssten wir unsere Sachen selber tragen. Doch du schleppst alles, ohne zu murren und zu klagen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die hatte gut reden. Was h\u00e4tte ich auch sonst machen sollen? Gut, ich h\u00e4tte bocken k\u00f6nnen\u2026 Aber ich wusste aus Erfahrung, dass ein Esel dabei nur Schl\u00e4ge erntete. Deshalb lie\u00df ich das lieber sein. Stattdessen schleppte ich brav die Habseligkeiten von Maria und Josef mit mir herum. Auch am vierten, f\u00fcnften und sechsten Tag. Au\u00dferdem mochte ich die beiden viel zu sehr, als dass ich sie damit belasten h\u00e4tten wollen, indem ich einfach das Bocken anfing. Stattdessen drehte ich meine Ohren nach vorne und sagte ihr so: \u201eDu, ich mag dich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dann merkte ich, dass Maria ihren Schwung langsam verlor. War sie am Anfang \u00f6fter mal vorausgelaufen, oder hatte sie sich aus einer Laune heraus versteckt, so lief ihr jetzt der Schwei\u00df schon nach wenigen Stunden in Str\u00f6men herunter. Dabei hatten wir unser Tagespensum noch nicht mal zur H\u00e4lfte bew\u00e4ltigt. Auch Josef merkte, dass seine Frau Atemnot bekam.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMaria komm lass uns ein wenig ausruhen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Dankbar nickte Maria und lie\u00df sich ohne gro\u00dfe \u00dcberlegung, da wo sie gerade stand, einfach auf den Boden nieder. Hauptsache sie musste nicht mehr laufen. Mir war das Recht. Mechanisch zupfte ich ein wenig hartes Gras vom Wegesrand und scharrte lustlos mit den Hufen. Josef und Maria sa\u00dfen lange dort. Ich dachte schon, sie wollten gar nicht mehr weiter. &nbsp;Ich langweilte mich. Inzwischen kamen auch andere Reisende den Weg entlang. Ein paar interessante Esel waren auch dabei. Vielleicht h\u00e4tten wir Freunde sein k\u00f6nnen. Ich mag andere Esel. Schlie\u00dflich sind wir Esel Herdentiere. Aber sie mussten weiter. Mehr als ein fl\u00fcchtiges \u201eI-a\u201c konnten wir uns nicht zurufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann endlich rafften sich Maria und Josef wieder auf. Josef zog seine Frau hoch. Maria machte zwei Schritte und sank sofort wieder zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eWas ist los mit dir?\u201c, wollte Josef wissen. Er machte sich Sorgen. Zurecht, denn Maria erwartete schlie\u00dflich ein Baby.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Maria wehrte ab. \u201eEs ist nichts, au\u00dfer, dass mir meine F\u00fc\u00dfe wehtun und ich alle meine Knochen sp\u00fcre!\u201c Sie zuckte die Schultern.<\/p>\n\n\n\n<p>Josef schmunzelte, trotzdem war er besorgt. Er half ihr wieder auf. \u201eSetz dich auf den Esel!\u201c, forderte er sie auf. Josef wollte, dass es Maria gut ging.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Maria h\u00e4tte mit mir verwandt sein k\u00f6nnen: Sie war genauso st\u00f6rrisch. \u201eNein\u201c, heftig sch\u00fcttelte sie den Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>Josef murmelte etwas wie \u201eselber schuld\u201c und setzte seine Wanderung fort. Maria und mir blieb nichts anderes \u00fcbrig als hinterher zu trotten. Allerdings nicht sehr lange und Maria konnte wirklich nicht mehr weiterlaufen. Da half auch keine Rast mehr. Sie war fix und fertig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJetzt stell dich nicht so an. Setz dich auf den Esel und gut ist!\u201c, befahl jetzt der Josef. Wir waren lange gelaufen. Auch er sp\u00fcrte den langen Marsch in den Knochen. Seine Laune war nicht mehr die beste. Deshalb h\u00f6rten sich seine Worte barscher an, als ich das sonst von ihm gewohnt war.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch ausnahmsweise war Maria derselben Meinung. Deshalb kletterte sie widerspruchslos auf meinen R\u00fccken und lie\u00df sich tragen. F\u00fcr mich war das jetzt sehr hart. Schlie\u00dflich hatte ich auch schon eine betr\u00e4chtliche Strecke zur\u00fcckgelegt und jetzt musste ich mitsamt Maria weiterlaufen. Zum Gl\u00fcck war sie federleicht \u2013 Schwangerschaft hin oder her. Trotzdem war ich froh, als es dunkel wurde und wir irgendwo \u00fcbernachteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df jetzt gar nicht wie viele Tage wir unterwegs waren. Schlie\u00dflich bin ich ja nur eine dumme Eselsfrau und kann auch gar nicht z\u00e4hlen. Aber es waren viele. Doch irgendwann n\u00e4herten wir uns dem Ziel. Ich merkte es zuerst daran, dass Josef st\u00e4rker ausschritt, ganz so als h\u00e4tte er neue Kraft getankt. Auch Maria suchte die ganze Zeit \u00fcber mit den Augen den Horizont ab und hielt immerzu nach irgendetwas Ausschau. Ich setzte einen Fu\u00df vor den anderen und dachte gar nichts. Dann meinte Josef: \u201eWir m\u00fcssen uns beeilen, dann sind wir noch heute Abend in Bethlehem.\u201c<strong><br><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1><a><u>Alle Herbergen sind ausgebucht<\/u><\/a><\/h1>\n\n\n\n<p>Komisch, ich wei\u00df ja nicht warum, aber ich wusste sofort, dass das ein Fehler war. Irgendwie dachte ich in meinem Eselsgehirn, dass es besser w\u00e4re, wir w\u00fcrden in Bethlehem ankommen, bevor es Abend wird. Also am Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Darum h\u00e4tte ich vorgeschlagen, unterwegs zu \u00fcbernachten und am n\u00e4chsten Tag um die Mittageszeit anzukommen. Ich protestierte heftig. \u201eIiiaa\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch mein \u201eIaaa\u201c-Geschrei verstand ja keiner! Macht doch was ihr wollt, dachte ich und trabte einfach weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war so, wie ich schon bef\u00fcrchtet hatte: Die Nacht brach herein, als wir endlich in Bethlehem ankamen. Es war schon ziemlich finster. Stra\u00dfenlaternen gab es keine. Dass hier \u00fcberall r\u00f6mische Reiter herumlungerten, machte die Sache auch nicht besser. Josef ging forsch auf die erste Herberge zu und kam gleich wieder. Man hatte ihn gar nicht erst hineingelassen, so voll war die Herberge schon. Nat\u00fcrlich lie\u00df er sich nicht unterkriegen. Er zerrte mich einfach weiter und zwar direkt vor das n\u00e4chste Gasthaus. Hier ging es ihm ebenso. Josef schaute leicht verwirrt als er zur\u00fcckkam.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eDas gibt\u2019s doch nicht! Hier muss es doch irgendwo ein Haus geben, in dem wir \u00fcbernachten k\u00f6nnen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Maria\u2019s schwarze Augen funkelten. \u201eHast du denen gesagt, dass ich ein Baby bekomme?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Josef sch\u00fcttelte den Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>Fand ich gut, denn ich glaube, dass eine Schwangerschaft nicht gerade eine Empfehlung bei den Wirtsleuten w\u00e4re. Doch Maria war da anderer Meinung und das sagte sie auch:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu musst dem Wirt sagen, dass ich hochschwanger bin und mein Kind nicht im Freien bekommen will.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hielt die Luft an. Das war genau die Schwierigkeit, die ich f\u00fcrchtete. Deshalb wird uns der Wirt erst recht nicht einlassen. Wobei\u2026 mir kann\u2019s ja egal sein. Ich bleibe eh drau\u00dfen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Josef nahm die Schultern zur\u00fcck und steuerte schon das n\u00e4chste Gasthaus an. Auf sein Klopfen \u00f6ffnete schon gar niemand. Z\u00f6gernd ging er um das Haus herum. Noch einmal versuchte er es mit Klopfen. Da ging die T\u00fcr auf:<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eWas ist los!\u201c, br\u00fcllte ein gro\u00dfer langer Kerl, bei dem sogar ich die Alkoholfahne roch.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eWir brauchen eine Unterkunft\u201c, erkl\u00e4rte Josef.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Der Mann warf nur einen Blick auf Josef und auf Maria, die auf mir sa\u00df. \u201eGesindel\u201c, der Wirt spuckte direkt vor Josef aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Josef lie\u00df sich nicht abschrecken. \u201eEine Unterkunft, nur f\u00fcr eine Nacht\u201c, bat er.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kerl kniff die Augen zusammen und schaute uns von oben bis unten an. Ich hielt es f\u00fcr wahrscheinlich, dass er uns doppelt sah, so wackelig wie der auf den Beinen stand.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann meinte er: \u201eIch habe ein paar hundert Meter au\u00dferhalb einen Stall. Den k\u00f6nnt ihr nutzen, weil ich ein gro\u00dfes Herz habe!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Tolles Herz, dachte ich in meinem Eselsgehirn. Doch Josef bedankte sich und lie\u00df sich noch einmal genau den Weg beschreiben. Dann trabten wir los. Wir fanden den Stall auch ohne gro\u00dfe M\u00fche, denn es war der einzige weit und breit.<strong><br><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1><a><u>Nur noch im Stall gibt\u2019s einen Platz<\/u><\/a><\/h1>\n\n\n\n<p>Drinnen stand schon ein Ochse, der aus einem Futtertrog Heu fischte. Gerne stellte ich mich dazu und bediente mich ebenfalls. Der Ochse muhte erst sehr bedrohlich und ich musste mir unter viel \u201eI-a\u201c-Geschrei Respekt verschaffen. Zum Gl\u00fcck war er schon \u00e4lter und gab nach einer Weile Ruhe. Das war auch notwendig, denn Maria sah nicht so aus, als k\u00f6nnte sie eine Kraftprobe gebrauchen. Schlie\u00dflich standen wir beide, also der Ochs und ich vereint an der Futterkrippe und genossen das Heu und die behagliche W\u00e4rme in diesem Stall. Ich mochte den Ochsen und nach seiner anf\u00e4nglichen Kraftmeierei entpuppte er sich als angenehmer Kamerad.<\/p>\n\n\n\n<p>Maria und Josef machten sich ein Bett aus Heu und Stroh und schienen es auch ganz gem\u00fctlich zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann fing Maria an zu st\u00f6hnen, dann war es mit der Gem\u00fctlichkeit vorbei. Josef wurde hektisch. Ich kam n\u00e4her und stupste Maria mit meiner weichen Schnauze an. \u201eHey, das geht vor\u00fcber. Ich hab\u2019s auch schon mal mitgemacht\u201c, erkl\u00e4rte ich ihr und obwohl ich nichts anderes herausbrachte, als \u201eIiiaa\u201c, schien sie mich doch zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte Recht. Sooo lange dauerte es gar nicht. Pl\u00f6tzlich war das Baby da. Ein winzig kleiner Menschling. Josef verscheuchte den Ochsen und mich von der Futterkrippe. Das fand ich zuerst gar nicht lustig, aber dann verstand ich den Grund: Maria sch\u00fcttelte ein wenig Heu auf, breitete T\u00fccher dar\u00fcber und legte das kleine Baby in die Krippe. Neugierig starrten der Ochse und ich das Kind an. Der Ochse muhte und auch ich begr\u00fc\u00dfte das Baby. \u201eI-aaah\u201c, schrie ich. Das Kind nuckelte an seinem Daumen und antwortete nicht. Eigentlich sah es ganz normal aus: Blau wie alle Neugeborenen. <strong><br><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1><a><u>Eine Geburt \u2013 und alle wollen das Baby sehen<\/u><\/a><\/h1>\n\n\n\n<p>Doch soweit die Theorie. Es dauerte nicht lange, als ich vor der Stallt\u00fcr emsige Schritte h\u00f6rte. Es war ein Getrappel und ein Gerenne, als w\u00e4re eine ganze Eselherde auf der Flucht. Doch es waren nur ein paar lausige Hirten, die ganz offensichtlich ihre Herde schm\u00e4hlich im Stich gelassen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIst hier das Kind geboren?\u201c, fragten sie noch v\u00f6llig atemlos.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich staunte: Woher wussten die denn das jetzt schon wieder? Und: Was ging sie das \u00fcberhaupt an? Sollten sie sich nicht lieber um ihre Herden k\u00fcmmern? Die Tiere waren sonst ganz alleine auf der Weide! Es gab wilde Tiere in Israel \u2013 das sollte eigentlich jeder Hirte wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Josef und Maria waren auch ganz baff, zeigten das aber nicht so.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eWoher wisst ihr von unserem Baby?\u201c, fragte Josef ganz bed\u00e4chtig.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDa war ein Engel\u2026\u201c, stie\u00df einer der Hirten hervor. Er musste es wohl sehr eilig gehabt haben, denn er trug kaum mehr als einen Lappen um den K\u00f6rper gewickelt. Auch sonst sah er nicht gerade gepflegt aus. Hirten lebten im Allgemeinen Tag und Nacht bei ihren Herden. Das merkte man ihm auch an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa und das Licht!\u201c, unterbrach ihn ein anderer. Der stank als h\u00e4tte er monatelang kein Bad genommen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eund..und..und..\u201c, stotterte der N\u00e4chste, dem die Haare vom Kopf abstanden, als wollten sie mit einem Kaktus konkurrieren. Einen Kamm hatte er schon lange nicht mehr gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Engel hat gesagt: Euch ist heute der Heiland geboren!\u201c, erkl\u00e4rte endlich einer der Hirten.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Das war ja mal eine Neuigkeit. Ein Engel, der mitten in der Nacht erscheint. Die Hirten kamen von drau\u00dfen. Ich schn\u00fcffelte: Nach Alkohol rochen sie nicht. Sie schienen alle sehr aufgeregt, also musste es wohl stimmen, auch wenn die M\u00e4nner nicht gerade besonders vertrauenerweckend aussahen. Allerdings traf das auch auf Maria und Josef zu. Wer so eine lange Reise hinter sich hatte und sich dabei nicht mal richtig hat waschen k\u00f6nnen, wirkte nicht gerade taufrisch. Dazu brauchte man nicht mal eine Geburt. Jetzt nach dieser Anstrengung sah Maria&nbsp; zwar \u00fcberraschend gut aus, aber sauber ist trotzdem was anderes.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas hat er denn genau gesagt der Engel\u201c, bohrte Josef nach. Er wollte es schon genau wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch die Hirten erinnerten sich an jedes Wort: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht. Siehe, ich verk\u00fcndige euch gro\u00dfe Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das waren tolle Worte. So etwas hatte ich noch nie geh\u00f6rt. Aber jetzt war sogar mir klar, dass den Hirten wirklich ein Engel erschienen war. So etwas h\u00e4tten die sich niemals ausdenken k\u00f6nnen. Dieses Baby musste also etwas ganz Besonderes sein. Darum wollte ich auch gut darauf aufpassen, wenn die Maria sich wieder von mir tragen lassen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir gingen diese Worte gar nicht aus dem Sinn. Was wohl aus diesem Baby einmal werden sollte?<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich blieben wir eine Weile in diesem Stall. Wir mussten uns ja noch z\u00e4hlen lassen und au\u00dferdem war Maria noch zu schwach, um woanders hin zu gehen. Die Zwischenzeit nutzte Josef, um die Ritzen im Stall abzudecken. Als gelernter Zimmermann hatte er ein paar Tricks auf Lager, um die Behausung so wohnlich zu machen, dass das Baby gut vor Zugluft gesch\u00fctzt war. Das alles hielt uns noch ein paar Tage in Bethlehem.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war schon interessant wer uns alles besuchte, obwohl Maria und Josef ihr Zuhause doch eigentlich in Nazareth hatten. Trotzdem hatten au\u00dfer den Hirten auch andere Menschen von der Geburt geh\u00f6rt und erfahren, dass es sich nicht um eine gew\u00f6hnliche Geburt handelte. Sie alle wollten n\u00e4heres \u00fcber dieses besondere Menschenkind wissen. Sie freuten sich alle mit Maria und Josef \u00fcber Gott und das Baby.<strong><br><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1><a><u>Unglaublich, wer da alles zu Besuch kommt<\/u><\/a><\/h1>\n\n\n\n<p>Kein Wunder, dass uns dann sp\u00e4ter noch diese anderen fanden, also keine Hirten, die waren etwas Besseres und stanken auch nicht wie die Hirten. Sie nannten sich Weise. Eines Tages, es war schon wieder dunkel, h\u00f6rten wir wieder Ger\u00e4usche an der Stallt\u00fcr. Jemand klopfte, als w\u00e4re es eine Wohnungst\u00fcr und kein lumpiger Stall. Wenn das so weiterging, konnte Josef gleich mal ein T\u00fcrschild mit Namen drauf an den Stall h\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Als Josef die schwere T\u00fcr zur\u00fcckzog, dr\u00e4ngten sie sich auch nicht flegelhaft an ihm vorbei, sondern sie traten gemessenen Schrittes ein, so als w\u00e4re die Behausung kein zugiger Stall, sondern ein vornehmer Palast. Sie vermieden es sogar die Luft anzuhalten, wegen der \u00fcblen Stallger\u00fcche, sondern sie beugten sich stattdessen voller Freude \u00fcber die Krippe mit dem Kind. Es kam noch schlimmer: Sie sanken ehrf\u00fcrchtig auf die Knie und lobten Gott. Das war mir schon fast peinlich. Schlie\u00dflich war es mein Futtertrog und keine goldene Wiege. &nbsp;Gut, gut, ich wei\u00df, sie meinten das Kind und nicht die Futterkrippe.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem staunten auch Josef und Maria. Ich sah es an dem ungl\u00e4ubigen Blick den Josef seiner Frau zuwarf, so als wollte er sagen: Kennst du diese Typen? Ich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir sind einem Stern gefolgt\u201c, erkl\u00e4rten die Besucher ihr seltsames Benehmen. \u201eDer Stern wies uns den Weg bis hierher zu diesem Stall.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das war zwar sehr interessant, erkl\u00e4rte aber nicht, weshalb das so wichtig war. Doch die Weisen lie\u00dfen es sich nicht nehmen und erz\u00e4hlten munter einfach weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eDer Stern k\u00fcndigt die Geburt eines gro\u00dfen Herrschers an und deshalb sind wir hier!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEin gro\u00dfer Herrscher \u2013 aha. Aber was hatten sie dann bei uns zu suchen?\u201c Leider konnte ich meine Frage nicht stellen, denn alles was sie h\u00f6rten war \u201eI-a\u201c und darauf reagierten die Fremden gar nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00f6nige waren reich gekleidete M\u00e4nner, mit bestickten Umh\u00e4ngen und Schmuck an den Armen. So kamen sie auch nicht mit leeren H\u00e4nden. Sie packten Geschenke aus! Das muss man sich mal vorstellen! Mitten in einem alten Stall. Da kamen diese v\u00f6llig unpassend angezogenen M\u00e4nner, mit Kleidung, die in unserem Stall sicher einige Flecken abbekommen hat und legten Gold, Weihrauch und Myrrhe vor dem Kind nieder! Mir fielen vor lauter Staunen fast die Augen aus den H\u00f6hlen. Solche Sch\u00e4tze hatte ich noch nie gesehen. Maria und Josef ganz sicher auch nicht. Auch sie starrten die Gaben an, als ob sie nicht recht w\u00fcssten, ob sie diese Sachen wirklich behalten d\u00fcrften.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war wirklich platt. Erst kamen die Hirten. Sie trugen buchst\u00e4blich die Armut in unseren Stall. Selten habe ich so heruntergekommene Gestalten gesehen. Sie hatten nichts und besuchten uns nur, weil sie dem Engel glaubten. Dann kamen die Weisen, diese unermesslich reichen K\u00f6nige und brachten den Reichtum in unseren Stall. Sie besuchten uns, weil sie aufgrund ihrer Weisheit mehr als andere wussten. Ich machte meine Ohren ganz lang und drehte sie so, dass mir auch kein Wort entging. Denn sie sagten Dinge, die ich nie f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte und die ich auch gar nicht richtig verstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie erz\u00e4hlten Maria und Josef: \u201eDieses Kind wird einmal eine wichtige Pers\u00f6nlichkeit sein und wir sind gekommen, um ihm zu huldigen.\u201c Die Weisen schauten die Eltern des Kindes dabei aufmunternd an. <strong><br><\/strong><\/p>\n\n\n\n<h1><a><u>Jesus war ein ganz besonderes Kind<\/u><\/a><\/h1>\n\n\n\n<p>Josef und Maria setzten sich mit den Weisen auf den Boden. Zum Gl\u00fcck war Josef morgens im Ort gewesen und hatte ein paar Fladenbrote besorgt. Viel hatten die beiden nicht anzubieten. Aber sie teilten das Wenige mit den K\u00f6nigen, die das aber nicht weiter st\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p>Stattdessen freuten sie sich sehr, dass sie am Ziel ihrer Reise angekommen waren. Das merkte sogar ich Esel. Auch wenn mir nicht so ganz klar war, warum die so ein Tamtam um ein kleines Baby machten. Kinder gab es wie Sand am Meer. Auch wenn die wenigsten ausgerechnet in einem Stall auf die Welt kamen. Trotzdem konnten sich die Israeliten nicht gerade \u00fcber Kindermangel beklagen. Warum also beschenkten die Weisen, die aus sehr fernen L\u00e4ndern extra einem Stern hinterhergelaufen waren, dieses Baby? H\u00e4tte es bei ihnen in der Nachbarschaft nicht genug Neugeborene gegeben, deren Eltern sich auch \u00fcber diese Luxusgeschenke gefreut h\u00e4tten? Was hatte Marias Baby was diese anderen Babys nicht hatten? R\u00e4tsel \u00fcber R\u00e4tsel. Zugegeben der Besuch dieser weisen K\u00f6nige gab mir viel zum Nachdenken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe lange dar\u00fcber nachgedacht und Jesus dabei aufwachsen gesehen. Im Laufe der Jahre habe ich erfahren, wie wichtig dieser Jesus war, der damals im Stall geboren wurde und der in derselben Krippe lag, aus der ich vorher mein Futter gefischt hatte. Dieser Jesus ist als Mensch geboren und war und ist doch der Sohn Gottes. Es ist ein Wunder \u2013 auch wenn mein Eselsgehirn viel zu klein ist, um das zu begreifen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img alt=\"\"\/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was wohl der Esel zu erz\u00e4hlen gehabt h\u00e4tte, damals von der Geburt Jesus. Wer wei\u00df? Weil das sicherlich spannend gewesen w\u00e4re, habe ich mir dazu ein paar Gedanken gemacht und die in eine Geschichte verpackt. Eine Geschichte, die vor allem Kindern Spa\u00df macht und die sich gut zum Vorlesen eignet. Prolog Esel werden von den Menschen seit vielen tausend Jahren als Nutztiere eingesetzt. Die Tiere halfen n\u00e4mlich M\u00e4nnern und Frauen, wenn sie schwere Gegenst\u00e4nde transportieren mussten. Au\u00dferdem lie\u00dfen sich die Menschen auch selber von einem Ort zu einem anderen von ihrem Esel tragen. Fr\u00fcher gab es keine Lastwagen, Traktoren, oder Autos. Es waren die Esel, die mit Gegenst\u00e4nden, oder Menschen beladen wurden. Heute benutzt man Autos daf\u00fcr. Die Esel schleppten geduldig auch schwere Lasten \u00fcber holprige und steinige Stra\u00dfen und unsichere, schmale Wege. Ein Esel war das Familienauto f\u00fcr viele Menschen vergangener Jahrhunderte. Statt einem VW Golf stand damals ein Esel, &#8211; nat\u00fcrlich nicht in der Garage, -sondern in einem Stall. So ist es kein Wunder, dass auch in der Weihnachtsgeschichte ein Esel vorkommt. Nat\u00fcrlich in einer Nebenrolle, so wie es einem Transportmittel eben zukommt. Trotzdem ist ein Esel ein Lebewesen. Auch er hat Gef\u00fchle und vielleicht sogar mehr Verstand als wir Menschen ahnen. Deshalb soll hier mal der Esel zu Wort kommen und erz\u00e4hlen, wie das damals war in Bethlehem und was da eigentlich wirklich passiert ist: Esel sind ganz besondere Tiere Gestatten, mein Name ist Asinia und ich bin eine Eselsfrau. Damit niemand Angst vor mir hat, will ich mich ein wenig beschreiben: Mein Fell ist weich und grau. Ich sehe aus wie ein gro\u00dfes Kuscheltier. Ums Maul herum trage ich einen wei\u00dfen Rand. Manche ahnungslosen Menschen necken mich damit. Sie nennen diese Besonderheit \u201eMehlmaul\u201c, weil mein Maul aussieht, als w\u00e4re ich mit dem Kopf in eine T\u00fcte mit Mehl geraten. Das stimmt nat\u00fcrlich nicht. Denn ich bin in keine Mehlt\u00fcte gefallen. Ich habe von Natur aus so einen sch\u00f6nen wei\u00dfen Streifen. Au\u00dferdem haben wir Esel ganz lange Ohren. Ich bin richtig stolz darauf.&nbsp; So wundersch\u00f6ne lange Ohren haben Pferde nicht. Eigentlich kann man uns gar nicht verwechseln. Trotzdem passiert das \u00f6fter. Doch ein Esel ist kein Pferd. Auch wenn wir im weitesten Sinne zur Familie der Pferde geh\u00f6ren. Mit meinen langen Ohren kann ich sehr gut h\u00f6ren. Auch leise Ger\u00e4usche. Ich kann meine H\u00f6rwerkzeuge auch in unterschiedliche Richtungen drehen. Wenn ich sie nach vorne lege, zeige ich damit meinem Menschen, dass ich ihn mag. Ohren sind was Wunderbares und ich finde sie sehr sch\u00f6n. Meine Ohren sind flauschig. Ich mag es, wenn mich mein Mensch dort streichelt. &nbsp;In der Regel bin ich sehr gen\u00fcgsam, denn ich brauche nur wenig Essen. Wenn mich die Menschen als Lasttier nutzen, kann ich trotz der schweren Lasten lange wandern. Unterwegs bin ich schon zufrieden, wenn ich ein paar Disteln und hartes Gras zum Fressen finde. Altes Brot und Karotten sind wahre Leckerbissen. Ich bin auch sehr stark. Deshalb kann ich ganz leicht schweres Gep\u00e4ck tragen. Und wenn der Weg besonders steil und schmal wird, dann renne ich auch nicht kopflos davon. Denn das tun die Pferde gerne. Sondern ich bleibe einfach mal stehen und \u00fcberlege mir gut, welchen Weg ich nehmen will. Manche Menschen verstehen das nicht. Sie schlagen dann auf mich ein, weil sie glauben, dass sie es besser wissen als ich, welcher Weg der Richtige ist. Sie halten mich f\u00fcr st\u00f6rrisch. Dann schimpfen sie: \u201eDu bl\u00f6der und dummer Esel!\u201c&nbsp; Doch in Wahrheit bin ich einfach nur klug. Denn nur wer vorsichtig ist, kann die gef\u00e4hrlichen Wege im Gebirge zur\u00fccklegen, ohne abzust\u00fcrzen. Das ist vielleicht auch der Grund, weshalb ich die Ehre hatte, Jesus auf meinem R\u00fccken zu tragen. Weil Gott alle Menschen und Tiere erschaffen hat, wei\u00df er, dass ich gut aufpassen kann. Darum freue ich mich, dass ich als kleiner Esel auf Jesus aufpassen durfte. Denn, ich, ein kleiner unbedeutender Esel durfte ihn transportieren \u2013 und das schon bevor er \u00fcberhaupt geboren wurde. Maria trug ihn noch in ihrem Bauch. Dort war er warm eingepackt und gut gesch\u00fctzt. Doch wenn sie verreisen wollte, w\u00e4hlte sie einen Esel, als Pack- und Tragtier.&nbsp; Wie es dazu kam, dass Maria verreiste, obwohl sie doch schwanger war und was dann geschah, davon m\u00f6chte ich jetzt erz\u00e4hlen. Ein Esel packt aus und erz\u00e4hlt die Weihnachtsgeschichte Den Kaiser Augustus kannten damals alle. Jedenfalls dem Namen nach. Einen Fernseher hatten die Menschen ja nicht. Zeitungen gab es auch keine und erst recht keine Smartphones, oder soziale Netzwerke. Obwohl es das alles nicht gab, verbreiteten sich Neuigkeiten meist sehr schnell. Auch das, was der Kaiser Augustus machte, erfuhren die Menschen ziemlich rasch. Der Kaiser war so bekannt, dass sogar wir Esel immer wieder von ihm h\u00f6rten. Denn die Menschen schimpften viel \u00fcber ihn. Augustus war ein gro\u00dfer Kaiser und lebte gar nicht in Israel, sondern weit weg von uns in Rom. Dort herrschte er \u00fcber die R\u00f6mer, aber auch \u00fcber Israel \u2013 und das war der Grund, weshalb sogar ich immer wieder von ihm h\u00f6rte. Obwohl ich eigentlich gar nicht so recht wusste, was ein Kaiser \u00fcberhaupt sein sollte. Ich konnte ja auch nicht alles wissen. Schlie\u00dflich hatte ich genug mit meinem Menschen zu tun. Deshalb k\u00fcmmerte es mich auch nicht wirklich. Denn ich war vollauf damit besch\u00e4ftigt, mich meiner Eselshaut zu wehren. Da konnte ich nicht \u00fcber einen Kaiser nachdenken, der gar nichts mit uns zu tun hatte.&nbsp; Oft genug passierte es, dass mein Mensch so w\u00fctend war, dass er auf mich eindrosch. Doch eigentlich hatte er gar keinen Grund, zornig auf mich zu sein. Manchmal glauben die Menschen, alles m\u00fcsste nach ihrem Kopf gehen, oder sie denken ein Esel w\u00e4re ein Pferd. Aber ich bin nun mal ein Esel und kein kleines Pferd mit einem viel zu gro\u00dfen Kopf und zu lang geratenen Ohren. Doch in diesem Fall hatte ich gar nichts getan. Auch wenn ich manchmal nach der Meinung der Menschen ein wenig st\u00f6rrisch war, doch an jenem Tag war ich v\u00f6llig unschuldig. Nur weil der Kaiser Augustus im weit entfernten Rom einen Beschluss erlie\u00df, den keiner verstand, war mein Mensch sauer und schlug mich. Er war sogar so sauer, dass er mich an den n\u00e4chstbesten verscherbelte. Weil er Geld brauchte. Das behauptete er jedenfalls. Nachdem er mich los hatte, machte er sich schnell aus dem Staub mit den wenigen M\u00fcnzen, die er f\u00fcr mich bekam. Ich war nat\u00fcrlich nicht gefragt worden, ob mir das Recht war. Doch eigentlich spielte es sowieso keine Rolle. Ein Mensch war wie der andere \u2013 dachte ich zumindest in meinem Eselshirn. Ich nahm den Besitzerwechsel gleichm\u00fctig hin. Obwohl der neue Mensch zur Probe gleich mal eine Runde auf meinem R\u00fccken drehte. Mir sollte es recht sein. Hauptsache mein Mensch gab mir zu fressen und einen Platz zum Schlafen. Das tat er dann auch. Eigentlich war er sogar netter als mein fr\u00fcherer Mensch. Jedenfalls schlug er mich viel weniger und wenn, dann nur, wenn ich wirklich bockte. Na gut, ich versuchte mir das dann sogar ganz abzugew\u00f6hnen. Aber ich bin ja nur ein Esel und als Esel mache ich mir so meine eigenen Gedanken, auch dann, wenn das keiner von mir verlangt. Darum ist es schwierig, nicht zu bocken, wenn der Mensch anders will als ich. &nbsp;Mein Besitzer hie\u00df Josef und hatte sogar eine Frau, die h\u00f6rte auf den Namen Maria und war ganz okay. Wenn sie mir Wasser gab und mein Fell striegelte, redete sie manchmal mit mir. Das hatte vorher noch keiner getan. Ich versuchte auch zu antworten, aber mehr als \u201eIiiiaaaaa\u201c, brachte ich nicht heraus. Ob sie das verstand, wei\u00df ich nicht. Denn manchmal redete sie einfach weiter und das hatte gar nichts mit dem zu tun, das ich ihr vorher gesagt hatte. Deshalb glaube ich, dass die Verst\u00e4ndigung mit einem Menschen einfach schwierig ist. Doch immerhin hatte mir Maria sogar einen Namen gegeben. Sie kam zu mir, b\u00fcrstete mein graues Fell und meinte: \u201eNa du sch\u00f6ne Eselsfrau. Du brauchst doch einen Namen. Wie m\u00f6chtest du denn hei\u00dfen?\u201c Ich schlug ihr \u201eIiiiaaa\u201c vor und Maria lachte nach Herzenslust. \u201eIch hab\u2019s\u201c strahlte sie mich an. \u201eWie w\u00e4r\u2019s mit Asinia?\u201c Das hatte ich doch gar nicht gesagt? Aber ich merkte schon: Maria hatte wieder mal nichts verstanden. Deshalb tat ich das, was ich am besten konnte: Ich nickte und sagte \u201eIiiiaaa\u201c. Damit war die Namensgebung beschlossene Sache. Ich war stolz, einen Namen zu haben, denn mein fr\u00fcherer Mensch hatte mich nur mit \u201eEsel\u201c angesprochen, wenn \u00fcberhaupt. F\u00fcr den war ich so wichtig, wie der Stecken, mit dem er mich schlug. Also gar nicht. Es war einmal ein Kaiser\u2026 Maria und Josef waren da anders. Vielleicht lag es auch daran, dass Maria noch so herrlich jung war. Sie freute sich ihres Lebens und teilte mir das immer mit, wenn sie mich sah. Jedenfalls f\u00fchlte sich das Leben jetzt viel besser an als fr\u00fcher. Also war der Kaiser Augustus in Rom doch zu was gut. Denn ohne ihn w\u00e4re mein alter Mensch nicht so sauer geworden und er h\u00e4tte mich nicht in seiner Wut dem n\u00e4chstbesten verkauft. Doch bei Maria und Josef machte es mir gar nichts aus, dass ich Tag f\u00fcr Tag zur Feldarbeit eingesetzt wurde und dass ich zwischendurch immer die Maria auf meinem R\u00fccken irgendwohin tragen musste. Ich bockte auch fast gar nicht. Nur wenn sich die Maria wieder mal in den Kopf gesetzt hatte, die Abk\u00fcrzung nach Hause zu nehmen und deshalb einen besonders schmalen Weg reiten wollte, dann erlaubte ich mir schon, sie darauf aufmerksam zu machen und einfach stehen zu bleiben. Doch Maria hatte genauso einen Stursch\u00e4del wie ich selber. Sie trieb mich einfach an. Das ging dann eine Weile hin und her, bis sie mich endlich so weit hatte, dass ich weiterlief. \u201eNa also\u201c, lobte mich dann Maria. Doch was hie\u00df dabei schon \u201eNa also\u201c! Wenn wir den Abhang hinuntergefallen w\u00e4ren, h\u00e4tte sie nicht mehr \u201ena also\u201c gerufen, dann w\u00e4r\u2019s aus und vorbei gewesen! Aber was reg ich mich auf. Ich bin ja doch nur ein armer Esel! Eines Tages machte ein Ger\u00fccht die Runde: Kaiser Augustus h\u00e4tte einen Befehl ausgegeben, mit dem er die Menschen aufforderte in ihre Geburtsd\u00f6rfer zu gehen. &nbsp;\u201eWozu?\u201c, wurde gefragt. \u201eNa damit der Augustus genau wei\u00df, wie viel Leute hier in Israel leben.\u201c, war die Antwort. Davon erfuhr auch mein Besitzer. Ein r\u00f6mischer Soldat sprengte auf seinem Pferd in unsere Stadt Nazareth und er schrie seine Botschaft in alle Gassen: \u201eBefehl von Kaiser Augustus: Alle Einwohner m\u00fcssen umgehend in ihre Heimatst\u00e4dte und sich dort in eine Liste eintragen lassen. Also macht euch gleich auf den Weg!\u201c&nbsp; Doch er hielt sich gar nicht auf, sondern ritt sofort weiter, musste er doch \u00fcberall seine Botschaft bekannt machen. Es war also gar kein Ger\u00fccht, sondern es verhielt sich wirklich so. Josef war Zimmermann von Beruf und er hatte soeben Holzbalken f\u00fcr ein neues Haus zurechtgeschlagen. Mitten in der Arbeit legte er die Axt beiseite und rannte schnell zu Maria. \u201eHast du schon geh\u00f6rt?\u201c, rief er ihr zu. Maria schleppte gerade einen Krug Wasser ins Haus. \u201eJa, der R\u00f6mer war ja nicht zu \u00fcberh\u00f6ren.\u201c, best\u00e4tigte sie. Josef sprang ihr schnell zur Seite und griff nach dem Krug. \u201eGib her und schon dich ein wenig. Wir sollten baldm\u00f6glichst aufbrechen. Damit du nicht ausgerechnet unterwegs das Baby bekommst.\u201c Um sich in die Listen eintragen zu k\u00f6nnen, mussten sie nach Bethlehem, denn das war ihr Geburtsort. Doch ausgerechnet jetzt war Maria schwanger und erwartete ein Baby. &nbsp;Gerne gab sie Josef den Krug. Sie wischte sich den Schwei\u00df von der Stirn und lie\u00df sich ersch\u00f6pft nieder. \u201eRuh du dich aus. Ich werde packen und morgen fr\u00fch brechen wir auf nach Bethlehem. Damit wir uns rasch in die Listen eintragen k\u00f6nnen.\u201c, meinte Josef, w\u00e4hrend er den Krug mit Wasser auf den Tisch stellte. W\u00e4hrend Maria sich ausruhte, packte Josef alles zusammen, was unterwegs dringend gebraucht wurde. Er schn\u00fcrte sein B\u00fcndel auf meinem R\u00fccken. Mir war klar, dass ich als Esel, die ganze Last schultern musste. Immerhin hatte Maria auf diese Weise noch einen weiblichen Beistand, denn ich, Asinia die Eselsfrau, begleitete ab dem folgenden Tag Maria&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":615,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,113],"tags":[150,151],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/614"}],"collection":[{"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=614"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/614\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":619,"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/614\/revisions\/619"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/615"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=614"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=614"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/schluesselfeld-blog.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=614"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}